| ARCHIV
>>> LEBEWESEN DES JAHRES >>> 2003
Auch für
2003 wurden wieder die Lebewesen des Jahres gewählt.
Insgesamt gibt es neun Kategorien aus den jeweils ein nach Ansicht
der Jury besonders schützenswertes Lebewesen gewählt wird.
Das Wildtier
des Jahres 2003 ist der Wolf.
(Canis lupus)
Über den Wolf gibt es so viel zu berichten, daß es den
Rahmen an dieser Stelle sprengen würde. Ich werde den Wolf
ausführlich in der Rubrik Wild vorstellen. Ich möchte
an dieser Stelle aber auf meine Linkliste verweisen. Dort ist ein
Link zur Fosrtverwaltung des US-Bundesstaates Montana. Dort gibt
es, allerdings in Englisch, unter der Rubrik "Wild things"
ausführliche Informationen zum nordamerikanischen Wolf. > Auswahl
Der Vogel des Jahres 2003 ist der Mauersegler.
(Apus apus)
Der Mauersegler ist ein bei uns noch recht häufig
vorkommender Vogel, der aufgrund seiner Ähnlichkeit mit einer
Schwalbe vermutlich oft mit dieser verwechselt wird. Allerdings
ist er nicht mit den Schwalben verwandt, sondern bildet zusammen
mit dem Alpensegler eine eigene Ordnung und Familie. Seine Flügel
sind relativ kurz und sichelförmig, sein Schwanz ist gegabelt
und das Gefieder rauchschwarz.
Der Mauersegler ist ein Zugvogel und überwintert im tropischen
Afrika. Bei uns anzutreffen ist er in den Monaten Mai bis August
und kehrt in dieser Zeit immer wieder an seinen Geburtsort zurück,
so daß vorhandene Mauerseglervorkommen in der Regel relativ
stabil sind.
Da er zum Nisten Mauerspalten und Zwischenräume von Gebäuden
nutzt, werden ihm vollisolierte Neubauten und glatte Betonwände
zum Verhängnis, denn sie bieten ihm keine Gelegenheit zum Nestbau
mehr und so verschwindet er mit zunehmender Modernisierung aus dem
Bild der Städte.
Der Mauersegler ist ein rasanter Flieger mit immer wieder eingelegten
Gleitflugstrecken. Während dieser Flüge sammelt er auch
seine Nahrung, welche aus Insekten besteht.
Ist ein Nest gebaut, werden die 2 bis 3 Eier sowohl vom Männchen
als auch vom Weibchen bebrütet und nach 18 bis 20 Tagen erblicken
die Jungvögel das Licht der Welt. Die Jungen sind recht robust
und können, wenn aufgrund schlechten Wetters wenige oder keine
Fluginsekten als Nahrung zur Verfügung stehen, bis zu 9 Tagen
hungern. Die Nestlingszeit beträgt je nach Umständen 5
bis 8 Wochen. > Auswahl
Der Fisch des Jahres 2003 ist die Barbe.
(Barbus barbus)
Die Mittelabschnitte von Flüssen werden auch als Barbenregion
bezeichnet, denn hier lebt die Barbe und ist dort Leitfisch. Das
heißt die Barbe lebt in schnell fließendem und klarem
Wasser. Sie nutzt hier die hohe Fließgeschwindigkeit für
ihre Wanderung durch die Flüße, bei denen sie immer in
Gesellschaft vieler Artgenossen unterwegs ist.
Zur Laichzeit, im Mai bis Juni, ziehen große Barbenschwärme
die Flüsse hinauf, um die geröll- und kieshaltigen Laichgebiete
aufzusuchen. Es liegt auf der Hand, daß die Barbe aufgrund
dieses Verhaltens mit den gleichen Problemen zu kämpfen hat
wie zum Beispiel die Lachse, wenn es gilt, künstlich in die
Flüsse eingebrachte Hindernisse wie Stustufen etc. zu überwinden.
Aber die zunehmende Rücksichtnahme auf dieses Verhalten mancher
Fischarten, zeigt auch bei der Barbe allmählich positive Auswirkungen.
Bei einem Gewicht zwischen einem und
drei Kilogramm ist die Barbe durschnittlich 40 bis 60 cm groß.
Sie sit ein schlanker, langgestreckter Fisch mit graugrünem
Rücken und helleren Seiten. Die großen Flossen sind graugrün
bis rötlich und ihr unterständiges Maul ist mit wulstigen
Lippen und vielen Barteln versehen. > Auswahl
Die Spinne des Jahres 2003 ist die
Zitterspinne.
(Pholcus phalangioides)
Auch bei den Spinne wurde in diesem Jahr
ein Exemplar gewählt, das vermutlich die meisten Menschen kennen,
denn die Zitterspinne überwintert sehr gerne in Gebäuden.
Jeder dürfte ihr schon im Keller begegnet sein. Sie
hat einen sehr kleinen, in Teilen fast durchsichtigen Körper,
der maximal eine Länge von 5 cm erreicht. Im Gegensatz dazu
verfügt sie über Beine, die mit ca. 5cm Länge, also
einer Beinspannweite von rund 10 cm überraschend lang sind.
Ihren Namen hat die Zitterspinne, die praktisch in ganz Europa vorkommt,
erhalten, weil sie im Falle einer Bedrohung durch Zittern versucht,
ihre Umrisse für einen Feind nur schwer erkennbar zu machen.
Trotz ihres vergleichsweise kleinen Körpers ist sie nicht nur
in der Lage Mücken zu fangen, sondern kann sich auch an die
wesentlich kräftigeren Fliegen wagen. Diese erstaunlich Leistung
vollbringt sie durch einen Netzaufbau, der selbst eine Fliege halten
kann. Die Spinne eilt dann sehr rasch zu ihrem Opfer, umgarnt es,
um es dann durch einen Biß zu töten und anschließend
auszusaugen. Wird die Nahrung knapp oder bleibt völlig aus,
werden auch Artgenossen nicht verschmäht.
Eine feste Zeit der Paarung gibt es nicht und so sind ganzjährig
geschlechtsreife Exemplare anzutreffen. Hierbei sind die geschlechtsreifen
Männchen von den entsprechenden Weibchen gut zu unterscheiden,
denn sie tragen ihre Geschlechtsorgane als dicke Knubbel am Kopfende
gut sichtbar vor sich her. Bei den Weibchen verdickt sich kurz vor
der Eiablage der Hinterleib. Nach der Eiablage werden die ca. 20
Eier der Zitterspinne in einen Kokon verpackt, den das Weibchen
in seinen Fängen mit sich trägt. Die Junge verbleiben
auch nach dem Schlüpfen noch einige Zeit in diesem Konkon,
bis sie schließlich ihr eigenes Netz bauen und ein eigenständiges
Leben von 3 jähriger Dauer führen.
Wegen der großen Ähnlichkeit im Erscheinungsbild wird
die Zitterspinne gerne mit dem Weberknecht verwechselt. Abgesehen
davon, daß der Körper des Weberknechtes nicht durchsichtig
erscheint, besitzt dieser auch keine Spinndrüsen und kann demnach
auch kein Netz bauen. > Auswahl
Das Insekt des Jahres 2003 ist die
Feldgrille.
(Gryllus campestris)
Die Feldgrille ist ein Insekt, daß die meisten von
uns wohl an warmen Sommertagen schon gehört haben werden, die
wenigsten jedoch haben dieses Insekt schon einmal zu Gesicht bekommen
haben, denn es ist äußerst scheu. Schon beim Versuch
der Annäherung stellt die Feldgrille ihr sonst so laut und
deutlich vernehmbares Zirpen ein. Versucht man sie trotzdem ausfindig
zu machen, so sucht die Feldgrille Schutz in einer selbst gegrabenen
Erdhöhle. Allerdings sind nur die Männchen zu hören,
die Weibchen sind stumm.
Biologisch gesehen gehört die Grille zu den Heuschrecken, kann
aber trotz ihrer Flügel nicht fliegen. Sie verfügt über
einen schwarzglänzenden, kugelförmigen Kopf, der von langen
Fühlern geziert ist. Die Flügel sowie der Rumpf sind von
schwarzer Grundfarbe und mit einem leicht golden schimmernden Überzug
versehen. Die Feldgrille bevorzugt als Lebensraum trockene, schütter
bewachsene Böschungen und Hänge und ist ein Freund der
Wärme. Dies ist auch der Grund, weshalb ihr Vorkommen in Richtung
Norddeutschland immer weiter abnimmt. Auf der anderen Seite erstreckt
es sich bis ins nordwestliche Afrike hinein.
Wichtig für die Feldgrille sind die oben schon erwähnten
selbstgegrabenen Erdhöhlen. Diese werden von den Männchen
gegen Konkurrenten hartnäckig verteidigt. Bei solchen Kämpfen
beißen sich die Tiere oder rammen die Köpfe gegeneinander.
Die Weibchen legen in diesen Erdhöhlen auch ihre Eier ab, die
in Haufen von jeweils 20 bis 40 Stück dort deponiert werden.
Eine Brutpflege findet allerdings nicht statt.
Sind die flügellosen Larven geschlüpft,
beginnen sie sofort damit, ihre Umgebund nach Nahrung abzusuchen,
die überwiegend pflanzlich ist, also aus Blättern und
Gräsern besteht. Aber auch kleinere tierische Nahrung wird
eine Larve nur schwer passieren können, ohne mit dem Leben
zu spielen. Bis zum Beginn des Winters wird sich die Larve rund
zehn mal gehäutet haben, um dann den Winter in einer Erdhöhle
zu verbringen, bis im nächsten Frühjahr der Kreislauf
wieder von vorne beginnt. > Auswahl
Der Baum des Jahres 2003 ist die Schwarzerle.
(Alnus glutinosa)
Die Schwarzerle, die auch als Roterle bezeichnet wird,
wächst bevorzugt an ganzjährig feuchten Standorten, also
in Auwäldern, an Bach- und Flußläufen sowie an den
Rändern vonTeichen und Seen. Die Schwarzerle bildet Wurzeln
mit einer Länge von über 4 Metern aus. Damit stabilisiert
sie aus Sicht des Menschen, nicht nur vorteilhaft den Untergrund
auf dem sie wächst, sondern sie entnimmt ihrer Umgebung große
Mengen an Wasser. Durch diese Eigenschaft wird der Oberflächenwasserabfluß
verringert, weswegen in den vergangenen Jahren ihre Qualitäten
beim Hochwasserschutz in den Vordergrund gerückt sind.
Die bis zu 120 Jahre alt werdende Schwarzerle wächst in ihren
Jugendjahren sehr rasch und kann letztlich eine Höhe von bis
zu 30 Metern erreichen. Allerdings darf sie dafür nicht allzu
eng stehen und benötigt viel Licht. Die noch junge Schwarzerle
weist eine glatte braun gefärbte Borke auf. Wird der Baum älter,
verändert sich auch die Borke, die nun stark rissig wird und
von schwarzer Färbung ist, wodurch der Baum seinen Namen erhielt.
Die zweite Bezeichnung Roterle hat der Baum erhalten, weil sein
im Möbelbau beliebtes Holz eine rötliche Färbung
zeigt.
Die Blätter der Schwarzerle sind rundlich bis oval und an der
Spitze eingekerbt. Eine Besonderheit ihres Laubes ist, daß
es sich im Herbst nicht verfärbt, sondern einfach grün
vom Baum fällt. Es enthält sehr viel Stickstoff und zersetzt
sich ungewöhnlich schnell, so daß der für Pflanzen
wichtige Stickstoff sehr rasch wieder in den Kreislauf gelangen
kann. Die Blüte ist recht klein, ca. 1,5 cm groß und
entwickelt sich zu einem rundlichen Fruchtzapfen.
Ihren hohen Stickstoffbedarf deckt die Schwarzerle durch einen Trick,
eine sogenannte Symbiose, also eine Lebensgemeinschaft. An ihren
Wurzeln leben Mikroorganismen, die Stickstoff aus der Luft binden
können, den der Baum dann aufnimmt. Im Gegenzug versorgt die
Erle diese Organismen mit für sie wichtigen Nährstoffen.
In jüngster Zeit sind die Wurzeln
aber auch zum Problem für die Schwarzerle geworden. Es hat
sich aus zwei für sich genommen harmlosen Pilzerregern ein
neuer Erreger der Gattung Phytophthora entwickelt Er wird mit dem
Wasser angeschwemmt und verursacht eine Wurzelhalsfäule, die
sich in das Rindengewebe fortsetzt und dieses schädigt, so
daß der innerpflanzliche Transport von Wasser und Nährstoffen
ins Stocken gerät. Der Baum verdurstet. > Auswahl
Die Blume des Jahres 2003 ist die Kornrade.
(Agrostemma githago)
Die Kornrade hat ihre Namen erhalten, weil sie bevorzugt
in Getreideäckern wächst, wenn dort der Boden lehmig und
nährstoffreich ist. Nicht nur wegen des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln,
sondern auch wegen der heute intensiven Saatgurreinigung ist die
Kornrade vom Aussterben bedroht. In früheren Zeiten war sie,
da ihre Samen Saponin enthalten und dadurch sehr giftig sind, eine
der unbeliebtesten Pflanzen auf den Getreideäckern.
Die Kornrade hat eine Wuchshöhe
von 30 bis 100 cm und blüht in den Monaten April bis Juni.
Ihre Blüte ist purpurrot, in der Mitte etwas weißlich
und sie ist umgeben von fünf schmalen Klechblättern. Dieser
Kelch sitzt auf einem graufilzig behharten Stengel. > Auswahl
Die
Orchidee des Jahres 2003 ist der Fliegen-Ragwurz.
(Ophrys insectifera)
Der Fliegen-Ragwurz ist eine Orchidee von braunroter
Blütenfarbe. Sie liebt Wärme und gedeiht auf kalkhaltigen
Böden in lichten, trockenen Wäldern und auch auf Halbtrockenrasen.
Wie bei der oben beschriebenen Kornrade beginnt die Blütezeit
im April, endet jedoch im Gegensatz zu jener erst im Juli. Die Wuchshöhe
der Pflanze erreicht 10 bis 40 cm.
Für ihre Verbreitung bedient sich
diese Orchidee eines ganz besonderen Tricks. Sie ahmt die Sexuallockstoffe
der weiblichen Fliege nach. Auch ihre Blütenform gleicht der
Form einer weiblichen Fliege fast exakt. Die Täuschung ist
so perfekt, daß männliche Fliegen ihr regelmäßig
erliegen und Paarungsversuche unternehmen. Auf diese Weise gelangt
der Pollen der Orichidee von Blüte zu Blüte. > Auswahl
Der
Pilz des Jahres 2003 ist der Papageigrüne-Saftling.
(Hycrocybe psittacina)
Der papageigrüne Saftling ist ein Pilz, der bei uns
immer seltener vorkommt. Grund hierfür isind die Ansprüche,
die er an seinen Standort stellt. Er bevorzugt Magerrasen, alpine
Matten und Dünen, aber auch Zierrasen ist als Standort möglich,
allerdings muß er frei von Düngemitteln und Pestiziden
sein. Und das ist auch das Problem, dem sich der Pilz gegenübersieht.
Alle Flächen, die mit Kunstdünger, Gülle oder Pestiziden
behandelt wurden, sind als Standort unbrauchbar.
Bei uns wächst der Pilz auf den beschriebenen Standorten, weshalb
das auf anderen Kontinenten, wo er ebenfalls anzutreffen ist, nicht
der Fall ist, ist bis dato ungeklärt. Dort besiedelt er völlig
konträre Lebensräume, nämlich die Wälder.
Der papageigrüne Saftling hat einen feucht glänzenden
Hut von in der Regel nicht mehr als 5 cm Durchmesser. Wird der Pilz
älter, verblasst seine Hutfarbe und erscheint nun gelblich.
Die Lamellen auf der Hutunterseite sind gelb und der Stiell tiefgrün
bis ockerfarben. Sowohl Hut als auch Stiel werden bei Feuchtigkeit
schleimig.
Geniesbar ist der immer seltener werdende papageigrüne Saftling
nicht. > Auswahl
|